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Pia hat gestern ihre Augen für
immer geschlossen...
Sie war ein Segen für meine Seele,
ein nicht zu ersetzender unerschütterlicher Fels in
der Brandung. Immer unauffällig, aber immer mit einem
guten Blick in meiner Nähe, und sie hat mir, ohne das
sie etwas sagen konnte, manche Frage beantwortet, die
ich in mir hatte. Ich brauchte nur in ihre Augen schauen
und dann wußte ich, was richtig war. Nun ist sie nicht
mehr da und ich vermisse sie so sehr.
Sie ein Wegwerfprodukt unserer Gesellschaft.
Angeschafft aus Unüberlegtheit oder Langeweile und dann
einfach genauso gleichgültig wieder abgegeben, kam sie
vor einigen Jahren im Tierheim in Begleitung ihrer beiden
Gefährten im greisen Alter von 18 Jahren an. Wohnungswechsel
war der Grund; und sie wurde, obwohl sie immer wieder
vorgestellt wurde, von keinem genommen.
So blieb sie dann allein zurück und
wollte nicht mehr leben. Sie stand einfach nicht mehr
auf und urinierte im Liegen, blieb dann in ihrer Pipipfütze
liegen und verweigerte die Nahrung. Immer sagten die
Leute: "Ne, wissen sie, ich habe gerade einen Hund verloren,
und das kann ich nicht." Oder: "So ein alter Hund muß bestimmt
sofort zum Tierarzt, und ich hab gerade so viel Geld in
meinen verstorbenen Hund gesteckt. Ist die denn überhaupt
stubenrein?"
Ich schaute mir das eine Weile an
und konnte diesen Leidensweg nicht länger ansehen, nahm
sie ohne Wenn und Aber auf und liebte sie vom ersten
Tag an abgöttisch. Sie war mein Erdferkel, meine Arbeitspia,
die riesengroße Äste über kilometerlange Spaziergänge
schleppte, die wieder lebendig geworden, Bälle liebte
und spielte; auch als sie schon langsam und tüddelig
geworden immer noch an einen jungen Hund erinnerte,
weil ihr Herz wieder froh war...
Sie, die keine Güllepfütze ausließ
und mit Vergnügen über die Felder stromerte, wurde wieder
ein glücklicher Hund. Ich kann nur sagen: All die Leute,
die sie nicht genommen haben, wissen nicht, was sie verpasst
haben. Sie konnte weinen wie ein Kind, wenn ihr etwas
wehtat, und sie konnte sich freuen wie eines.
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Was ich damit sagen will ist folgendes;
im Namen von Pia möchte ich es in diese verdammte materiell
eingestellte Welt hinausschreien:
- Ist es wirklich so unerträglich,
wenn man einen Hund hat, der einem den Teppich vollpinkelt?
- Der nicht mehr so jung und frisch aussieht? -
Der keinen Garantieschein für ein so langes Leben in
der Tasche hat? -
Ist euch diese Liebe zwischen Mensch und Tier eigentlich
so wenig wert? -
Wie eng sind die Menschen in ihrem Denken? -
Ist es nur wichtig was die Nachbarn sagen oder was der
Besuch denkt?
Meine Möbel haben arg gelitten in
den Jahren der Hundehaltung, und ich habe auch mal saubere
Tapeten und Wände gehabt, und ich weiß, weil ich es
kenne, wie unabhängig ein Leben ohne Hunde ist, aber
glaubt mir bitte: Ich möchte mit keinem von denen tauschen,
die ihr Leben so leben und am Ende ihre Geldscheine
mit ins Grab nehmen und sich im Alter an nichts anderes
als ihre sauberen Tapeten erinnern können.
Ich dagegen kann mich an ihre wunderbaren
Augen erinnern, an ihren Geruch und ihr zotteliges Fell
und ihren Übermut. Ich möchte euch im Namen von Pia
bitten: Solltet ihr noch einmal den Entschluß fassen,
irgendeinem Tier ein Zuhause zu schenken, nehmt es so
wie es ist, und lasst es nicht aus Altersgründen dort
zurück. Ich bitte euch: Seid geduldig und zeigt diesen
Tieren, dass ihr sie mit ihren körperlichen Macken und
Fehlern liebt; denkt daran: Ihr werdet auch einmal alt.
Möchtet ihr dasselbe Schicksal erleiden?
Aus Altersgründen irgendwo einsam in der Ecke liegen
und vergessen werden? Euer Hund würde euch nie vergessen.
Deswegen frage ich mich: Warum legen die Menschen soviel
Wert auf das Denken ihrer Mitmenschen? Diese Menschen
sind es doch, die so gefühlskalt reagieren.
Pia wird mir leider keiner mehr wiedergeben
können, aber ich bitte euch nun, prüft doch mal nach
ob ihr nicht noch einen Platz frei habt für irgendeinen
alten Hund, der vielleicht sehr glücklich wäre, wenn
er euch auf den Teppich pinkeln dürfte. Einen alten
Hund begleiten zu dürfen macht euch weise, ihr werdet
zufrieden und ihr werdet die wichtigen Dinge im Leben
zu schätzen wissen.
Ich bitte euch im Namen von Pia um
Weiterverbreitung,
Gruß R.
14.01.2005
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