Gestern abend hat mich der Dosenöffner der Hundesenioren
abgeholt. Wir fuhren ganz lange mit dem Auto, ich finde Autofahren richtig toll.
Irgendwann landeten wir in der Heimat der Hundesenioren. Die Hunde-Oldies waren
richtig neugierig, besonders Robbie... das junge Gemüse soll lieber nicht so
vorwitzig sein: Man sagt schließlich, daß ich schon 22 Jahre alt sei !! Meine
neuen Menschen können dies aber kaum glauben, und irgendwelche Ausweise oder
Impfbücher habe ich leider nicht. Jedenfalls zeige ich mich für einen Hunde-Opa
ziemlich fit; Augen, Ohren und Nase funktionieren noch einigermaßen, nur die
Zähne sind leider schon sehr dezimiert.
Bis jetzt komme ich mit den Hundekumpels und den Menschen prima
zurecht. Robbie war anfangs ein wenig aufdringlich, aber ich hab' ihm einmal
"Bescheid gesagt", und danach war alles gut. Lisa ist sehr nett, nur wenn ich
ihrem Rückzugsgebiet zu nahe komme, fängt sie leise an zu knurren. Wir werden
alle aber ganz schnell lernen, was wir zu beachten haben, um so gut miteinander
auszukommen, wie bisher. Der Beginn bei der Rentnerband ist jedenfalls
toll.
Heute am
frühen Morgen schwammen unsere letzten beiden großen Goldorfen tot im Wasser auf
der linken Teichseite. Die Zeit, in der unser Teich zugefroren war, hatten sie
ganz normal mit der für sie üblichen Winterträge zugebracht. Durch das
halbtransparente Eis konnte man sie fast täglich kontrollieren. Die beiden
Fische waren sehr alt, etwa 45 cm lang. Sie entstammten jener verschworenen
Generation von Orfen aus den achziger bis frühen neunziger Jahren, die immer
dann, wenn bei uns "neue" Hunde ankamen, in irgendeiner Ecke des Teiches
konspirative Zusammenkünfte abhielten und darüber beratschlagten, wie lange es
wohl dauern würde, bis der neue vierbeinige Mitbewohner zum ersten Male in ihren
Teich plumpst... Nun ist diese Ära endgültig vorbei. Die viel kleineren
Nachkömmlinge sind vollzählig vorhanden und augenscheinlich gut beieinander. An
der Wasserqualität oder an einem Sauerstoffmangel kann es nicht gelegen haben.
Sie waren einfach zu alt, und die Strapazen des Wintereinbruchs wohl zu groß, es
war ihre Zeit des Sterbens. Ausgerechnet jetzt, wo der halbe Teich wieder
eisfrei ist. Aber es war vielleicht ihre letzte Rücksichtnahme - so konnte ich
sie ohne Aufwand bergen...
Es ist ein Tag des Sterbens. Unser Hundeopa
Rocky durchlebte in der Monatsmitte eine kleine gesundheitliche Krise, er
erbrach seine Mahlzeiten unverdaut jeweils nach einigen Stunden. Dies bekamen
unsere Tierärzte recht schnell wieder in den Griff, wiewohl sein altersschwaches
Herz in dieser Zeit deutliche Ausfallerscheinungen zeigte. Aber er überstand
diese kleine Krise schnell und in der für ihn so typischen Vitalität. Pünktlich
vor dem Beginn des Weihnachtsfestes war alles wieder im grünen Bereich, der
kleine Rocky war so agil und schien so unverwüstlich wie gewohnt.
Im Verlauf der teilweise turbulenten Weihnachtstage schien er mitunter recht
verhalten daherzukommen. Zu vieles verlief außerhalb der von ihm gewohnten
Bahnen. Besuche bei der Familie, Besuche von der Familie, Festschmaus und
Weihnachtsbaum - er wirkte bei aller Normalität manchmal irgendwie
zurückgenommen. Ich hatte den Eindruck, es sei höchste Zeit, daß das Leben des
kleinen Hundeopas wieder im "normalen Trott" verlaufen müsse...
Wir
absolvierten gestern noch lange Spaziergänge durchs Revier der Hundesenioren,
Rocky schäkerte mit Hundemädels, die wir auf unseren Wegen trafen, er hopste -
wie es seine Art war - elegant ins Auto und aus dem Auto heraus... Wenn wir
zuhause ankamen, setzte er wie gewohnt schwungvoll über die hohe Schwelle der
Terrassentür und trabte munter und freudig durch die Wohnung auf der Suche nach
Hannelore, um sie zu begrüßen; er war nur dann richtig froh, wenn die ganze
Familie von Menschen und Hunden vollzählig beisammen war.
Vormittags fraß
er ganz normal, am frühen Abend war er jedoch wieder recht appetitlos. Den Abend
verbrachte er augenscheinlich ruhig und entspannt. Unsere Nacht-Tour verlief wie
immer, danach nahm er noch ein weiches Leckerli als "Betthupferl" an. Am frühen
Morgen erwachte ich, weil der kleine Hunde-Opa unruhig umherlief, dabei sehr
kurzatmig war, und dies mit einer sehr schnellen Atemfrequenz. In großer Eile
kleidete ich mich an, und fuhr mit ihm zu unserer Tierärztin. Auf dem Weg
dorthin starb der kleine Rocky; er legte sich hin, um nicht mehr
aufzustehen...
So hat sich unser kleiner Methusalem also auf den Weg zum
Land an der Regenbogenbrücke aufgemacht. Seine irdische Hülle liegt nun direkt
neben unserer Superoma Nadia begraben, auch die beiden Orfen haben dort ihren
Platz gefunden. Es war ein Tag des Sterbens und des
Abschied-Nehmens...
Als ich Rocky aus der Nähe von Mönchengladbach zu uns
holte, wussten wir, daß er über 22 Jahre alt war. Da uns sein genauer Geburtstag
nicht bekannt war, ernannten wir den Tag seiner Ankunft bei uns zu seinem
Geburtstag. Von daher wurde er 22 und ein halbes Jahr alt. Vielleicht war er in
Wirklichkeit schon über 23 - wer weiß es schon? Egal, es war uns klar, daß bei
einem solchen Alter das Ende jederzeit bevorstehen könnte. Und trotzdem wird
jeder Abschied immer schwerer, und damit auch die Sehnsucht immer größer, mit
all den Lieben dereinst wieder zusammen zu sein. Zu viele der treuen Seelen sind
von uns gegangen.
Ich werde Rockys Fröhlichkeit und seine unfassbare
Vitalität immer in meinem Gedächtnis behalten. Seine schwungvollen Sätze über
die Terrassentürschwelle werde ich immer vor Augen haben. Sein erstaunlich
sonores und kräftiges Bellen wird in meinem Ohr bleiben. Rocky war ein
unbeschreiblich toller und beeindruckender Gefährte. Und so etwas sollte vor
einem halben Jahr weggeworfen werden, wie ein Stück Müll - es ist alles so
unfassbar...
Ich wusste gestern - so etwa um halb zwei - nicht, daß
dieses Bild das letzte Bild sein würde, welches meine alte Digicam von dem
kleinen Opa einfing:
Wir werden diesen kleinen wunderbaren Hundeopa nie vergessen.