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Wie jedes Jahr im Frühsommer ist jetzt die erste Zeckenwelle
in vollem Gange. Und wie immer um diese Jahreszeit bringen die Hunde eine
Vielzahl an Zecken von ihren Spaziergängen mit nach Hause. Seit das Wissen auch
in der breiten Bevölkerung über die gesundheitliche Gefährdung durch
Zeckenstiche beim Menschen, vor allem durch die FSME oder die Borreliose,
wächst, steigt auch die Angst über eine mögliche Gefährdung der Hunde durch die
entsprechenden Erreger.
Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über
labormedizinische Verfahren, deren richtigen Einsatzbereich sowie die Grenzen
der einzelnen Verfahren aufzeigen.
Borrelia (B.) burgdorferi,
der Erreger der Lyme-Borreliose, hat den Namen nach seinem Entdecker W.
Burgdorfer, der zusammen mit dem Rheumatologen A. Steere Anfang der achtziger
Jahre dieses Bakterium aus Zecken in der Umgebung der Gemeinde Lyme in
Connecticut, USA isolieren konnte. Der Hintergrund dieser intensiven Forschung
war ein gehäuftes Auftreten von Arthritiden vor allem bei Kindern in diesem
Gebiet. Mit der Kenntnis dieser Fakten ist man auch schon bei zwei wesentlichen
Problempunkten bezüglich der Borrelien-Diagnostik beim Hund:
1.
Viele der
"Erkenntnisse" der Borreliose beim Hund wurden direkt vom Wissen aus
der Humanmedizin abgeleitet und
2.
Viele dieser Kenntnisse
stammen aus den USA.
Beides ist im Prinzip nicht falsch, bedarf aber einer
kritischen Betrachtung.
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zu 1.:
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In der Humanmedizin haben seit
der Entdeckung von B. burgdorferi intensive Forschungen vor allem im
Bereich der Epidemiologie und zur Aufklärung des klinischen Krankheitsbildes
sowie deren frühzeitige Erkennung und Therapie stattgefunden. Man konnte
nachvollziehen, daß die Borrelien durch den Zeckenstich übertragen werden und
sich dann anschließend in verschiedenen Organsystemen (z.B. Haut, Gelenke,
ZNS) manifestierten. Es wurde aus Erfahrungen mit dem Erreger der Syphillis, Treponema
pallidum, der in die selbe Gruppe der Bakterien gehört wie B.
burgdorferi, ein 3-stufiger Verlauf der Lyme Borreliose postuliert. Im
ersten Stadium reagiert der Mensch mit Allgemeinsyptomen wie
Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Fieber, Myalgien u.a. und häufig ist um die
Bißstelle eine sog. Wanderröte, das Erythema migrans (EM), zu erkennen. Im
zweiten Stadium werden neurologische, kardiale, arthrogene oder
ophtalmologische Symptome beobachtet. Im letzten Stadium reagiert der Mensch
u.a. mit einer chronischen Arthritis, einer chronischen Enzephalitis oder der
sog. Acrodermatitis chronica athrophicans (ACA), einer Erkrankung, bei der
die Haut sich pergamentartig verändert. Diese Aufzählung zeigt schon, wie
komplex und vielseitig das Erscheinumgsbild der Lyme-Borreliose beim Menschen
sein kann. Genauso vielseitig sind die Krankheitsbilder, die beim Hund im
Zusammenhang mit der Borreliose beschrieben werden. Allerdings halten nur
wenige dieser Berichte einer genaueren wissenschaftlichen Betrachtung stand.
Aus der Humanmedizin bekannte Syptome einer Borreliose auf den Hund zu
übertragen und bei positiver Serologie die Schlußfolgerung zu ziehen, daß ein
direkter Zusammenhang besteht, bedarf einer genauen Abklärung sämtlicher anderer
in Frage kommenden Ursachen.
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zu 2.:
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Die zweite angesprochene
Problematik besteht darin, daß man seit einigen Jahren weiß, daß von B.
burgdorferi mehrere unterschiedliche Genospezies existieren. Man spricht
daher heute von B. burgdorferi sensu lato, die sich u.a. in B.
burgdorferi sensu stricto, Borrelia garinii sowie Borrelia
afzelii aufteilt. Das Interessante daran ist, daß man in den USA
hauptsächlich B. burgdorferi sensu stricto isolieren konnte. Im
Gegensatz dazu werden in Europa alle 3 genannten Genospezies isoliert. Da in
den USA das am häufigsten beobachtete Symptom der Lyme-Borreliose die
Arthritis ist, geht man heute davon aus, daß B. burgdorferi sensu
stricto einen Organtropismus für den Bewegungsapparat besitzt, Borrelia
garinii eher disseminierte Formen der Borreliose verursacht bzw. die
Neuroborreliose hervorruft und Borrelia afzelii eine Affinität zur
Haut hat und Symptome wie das EM oder die ACA hervorruft. Selbstverständlich
sind die unterschiedlichen Genospezies auch unterschiedlich in ihrer
antigenen Struktur, was natürlich nicht nur Probleme in der serologischen
Diagnostik sondern auch in der Entwicklung von Impfstoffen verursacht.
Deshalb sind Entwicklungen von Testsystemen (v.a. von ELISA`s), oder gar
Impfstoffen in den USA nicht ohne weiteres in Europa anzuwenden.
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Was ist derzeit über die Borreliose beim Hund bekannt?. Erst
1992 gelang es Wasmoen et al. nachzuweisen, daß B. burgdorferi
beim Hund die Kochschen Postulate erfüllt. Sie konnten Hunde experimentell
infizieren (wobei die Hunde mit gestörtem Allgemeinbefinden, Gelenkssyptomen
und Fieber reagierten), den Erreger anschließend aus den erkrankten Tieren
isolieren und damit erneut eine Erkrankung bei anderen Hunden hervorrufen.
Allerdings entsprach die Art der Infektion nicht dem natürlichen Infektionsweg
(hochdosierte i.v.-Gabe von B. burgdorferi in Reinkultur über 7 Tage).
Differenzierter waren die Infektionsversuche von Appel et al. (1993).
Sie infizierten die Hunde über den Vektor Zecke, indem sie Hunden mit Borrelien
infizierte Zecken anhefteten. Sie konnten dabei folgendes beobachten:
Das dominierende klinische Bild, das die Hunde zeigten,
waren Lahmheiten. Diese Lahmheiten entwickelten sich zwischen 2-5 Monaten nach
Infektion über die Zecken. Dabei zeigten die Tiere zuerst leichte Lahmheiten,
die innerhalb von 3 Tagen zunahmen und nach 4 Tagen wieder verschwunden waren.
Hauptsächlich waren davon die Ellenbogengelenke sowie die Karpal- und
Kniegelenke betroffen. Palpatorisch konnte bei einigen Tieren eine leichte
Schwellung sowie eine lokale Temperaturerhöhung festgestellt werden. Die
meisten der an Lahmheiten erkrankten Hunde zeigten eine erhöhte
Körpertemperatur (39,5-40°C) und waren apathisch. Gewichtsverluste konnten
dabei nicht beobachtet werden. Nach der ersten Lahmheit entwickelten die
meisten der Tiere eine zweite , teilweise eine dritte Lahmheit im Abstand von
2-4 Wochen. Dabei waren teilweise andere Gelenke als in der ersten Periode
betroffen. Außer diesen Symptomen zeigten die Tiere innerhalb der
Beobachtungsperiode von 17 Monaten keine anderen klinischen Anzeichen mehr. Ein
EM konnte auch nach sorgfältigster Betrachtung der Einstichstelle nicht
beobachtet werden. Die von anderen Autoren beschriebenen Erkrankungen wie z.B.
Nierenfunktionsstörungen (Grauer et al., 1988) oder Herzblock (Levy
und Duray, 1988) bestätigten sich auch in der anschließenden Sektion der
Versuchshunde nicht. Die von Appel et al. angeführten Untersuchungen
wurden in den USA durchgeführt, sodaß man auch hier von der Vermutung ausgehen
muß, daß es sich primär um B. burgdorferi sensu stricto-Stämme gehandelt
hat. Ähnliche Infektionsversuche mit B. afzelii oder B. garinii
wurden beim Hund bisher nicht durchgeführt.
Verschiedene Labormethoden und
deren Grenzen
Bei allen Labormethoden bezüglich der Borreliose beim Hund
muß man beachten, daß die Ergebnisse lediglich Hilfsmittel zur
Diagnosestellung sein können und auf keinen Fall eine sorgfältige klinische
Untersuchung unter Abklärung der in Frage kommenden Differentialdiagnosen
ersetzen können.
Prinzipiell unterscheidet man zwischen :
A) Direkten Verfahren
1.) Anzucht der Borrelien, z.B. aus Synovia
2.) Polymerase-Kettenreaktion (PCR) (im engeren Sinne kein
direktes Nachweisverfahren, da lediglich DNA nachgewiesen wird und keine
Aussage über die Vitalität des Erregers gemacht werden kann)
B) Indirekten Verfahren des Erregernachweises = Serologie
1.) Indirekter Hämagglutinationstest (IHA)
2.) Immunfluoreszenstest (IFT)
3.) Enzym-Immunoassay (EIA)
4.) Western- bzw. Immunoblot
Direkte Verfahren
Anzucht der Borrelien:
Die Anzucht der Borrelien aus den betroffenen Regionen oder Organen gelingt
sehr selten und ist zudem noch sehr langwierig. Man benötigt dazu ein
Spezial-Nährmedium (BSK-II) und muß dieses bis zu 5 Wochen bebrüten. Burmester
et al. (1997) gehen bei der Anzucht aus Blut, oder Synovia von einer
Isolationsrate von maximal 10% aus. Ebenso schwierig ist folglich eine direkte
Anfärbung des Erregers (z.B. mittels Silberfärbung). In seltenen Fällen kann
man evtl. mit Hilfe der Dunkelfeld-Mikroskopie die Borrelien direkt nachweisen,
wobei auf die Problematik von Artefakten bzw. verwandten Bakterien hinzuweisen
ist).
Polymerase-Kettenreaktion (PCR): Die in den letzten Jahren immer populärer werdende PCR als
sensitive Nachweismethode bei vielen Infektionskrankheiten, kann nur unter
Vorbehalt bei der Borreliose eingesetzt werden, da man bisher immer noch recht
wenig über den Aufenthalt der Borrelien in den einzelnen Stadien der Erkrankung
oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach einem Zeckenstich weiß. Berichte
über den Nachweis von Borrelien mittels PCR aus dem Urin von Hunden sind nur
bedingt verwertbar, da eine genaue Aussage zu welchen Zeitpunkt die Borrelien
ausgeschieden werden, nicht möglich ist. In der Humanmedizin wird dieser
Nachweis als Erfolgskontrolle bei einer Antibiotika-Therapie eingesetzt. Auch
Berichte mittels PCR Borrelien in der Haut nachzuweisen sind vorsichtig zu
bewerten, da dieser Nachweis hauptsächlich bei experimentell infizierten Hunden
geführt wurde und deshalb die Einstichstelle der Zecke klar definiert war. In
der Humanmedizin wird die PCR bisher nur als ergänzende Methode bei unklarer
Serologie und klar definiertem klinischen Bild (z.B. bei der Neuroborreliose)
empfohlen.
Aufgrund der angefürten Problematik beim direkten
Erregernachweis dient die Serologie zur Zeit noch als Methode der Wahl, um eine
Borreliose zu diagnostizieren.
Indirekte Verfahren =
Serologie
Indirekter Hämagglutinationstest (IHA): Der indirekte Hämagglutinationstest (IHA) eignet sich
aufgrund der Einfachheit gut zum Screening. Dabei werden mit Borrelienantigen
beladene Schaferytrozyten mit Patientenserum inkubiert. Im positiven Fall kommt
es zur Bildung eines klassischen Antigen-Antikörperkomplexes und dadurch zur
Agglutionation der Antikörper.
Immunfloureszenztest (IFT) und Enzym-Immunoassay (EIA): Der Immunfluoreszenstest (IFT) erfordert zwar eine größere
Erfahrung des Untersuchers als z.B. der Enzymimmunoassay (EIA), Untersuchungen
haben aber gezeigt, daß bei richtiger Anwendung sowohl bezüglich der
Sensitivität als auch der Spezifität keine Unterschiede zum EIA bestehen. Der
IFT gilt als besonders geeignet für Screenings, wobei natürlich auch hier
wieder wichtig zu wissen ist, wann welche Antikörpertiter (IgM bzw. IgG) nach
Zeckenexposition zu erwarten sind. Auch hierzu gibt es in der Literatur wieder
unterschiedliche Angaben wobei dies einmal mit der oft unklaren Anamnese bei
natürlicher Exposition zusammenhängt, zum anderen aber auch damit, daß man
festgestellt hat, daß ein deutlicher Unterschied bezüglich der Qualität und des
Zeitpunktes der Antikörperantwort bei experimentell infizierten Hunden
(i.v.-Infektion zum einem sowie die Infektion über den Vektor Zecke zum
anderen) besteht. Appel et al. (1993) konnten in ihren bereits oben
angeführten Studien eine sich langsammer entwickelnde, aber länger andauernde
Antikörperbildung erkennen. Alle Hunde, die infizierten Zecken ausgesetzt
waren, bildeten 4-6 Wochen nach Zeckenstich nachweisbare Antikörpertiter (IgG)
aus, wobei diese innerhalb der nächsten 6-8 Wochen anstiegen und mindestens 1
Jahr auf diesem hohen Niveau bestehen blieben. Wie sich der Titerverlauf bei
IgM verhält, ist nicht endgültig geklärt. Zu erwarten ist, da es sich bei IgM
um die Immungloboline der frühen Phase einer Infektion handelt, daß ein positiver
Titer früher als bei IgG nachzuweisen ist. Burgess 1988 gibt an, daß
sich innerhalb der ersten 4 Wochen bereits ein deutlicher IgM-Titer ausbildet.
Allerdings gibt es auch Hinweise in der Literatur, daß sich deutliche IgM
-Titer nur bei Erstinfektion (und v.a. bei Hautmanifestationen) nicht aber bei
Reinfektionen ausbilden.
Kontrovers wird auch die Frage diskutiert, ob man bei
serologischen Untersuchungen grundsätzlich mit antigen verwandten Bakterien
(z.B. Treponema phagedenis) absorbieren muß, um eventuelle
Kreuzreaktionen auszuschließen. Bekannt ist, daß antigen Verwandte Bakterien
aus der Ordnung der Spirochaetales (z. B. Leptospira spp. oder Treponema
spp.) zu Kreuzreaktionen führen können. Da man vermutet, daß vor allem in
der frühen Phase eine Borrelieninfektion oft starke Reaktionen mit den
gemeinsamen Antigenen stattfinden, deshalb könnte unter Umständen eine
vorherige Absorption diese Reaktion unterdrücken. Sinnvoller scheint daher die
Kombination mit einem
Western- bzw. Immunoblot:
als Bestätigungstest. Dazu werden die Antigene von B. burgdorferi
mittels Gelelektrophorese aufgetrennt und auf eine Nitrozellulosemembran
transferriert. Diese wird mit dem Patientenserum inkubiert und anschließend
wird die Reaktion des Serums, bzw. der Antikörper im Serum, mittels
Substratfärbung sichtbar gemacht. Es entstehen dabei im positive Falle
unterschiedliche Banden, die nach ihrer Spezifität für B. burgdorferi
interpretiert werden müssen. Dies erfordert einige Erfahrung des Untersuchers
und ist auch von dem verwendeten Borrelien-Stamm abhängig. Blenk (1993)
gibt in der Humanmedizin folgende Indikationen für den Einsatz des Immunoblots
an:
a.
Bei eindeutigem
klinischen Bild und negativer Serologie (spielt v.a. in der Humanmedizin eine
Rolle, da beim EM oft kein hoher Antikörper-Titer (IgG) im Blut diagnostiziert
werden kann),
b.
bei unklarem klinischen
Bild und grenzwertigem IFT (1:40 bis 1:80), um zwischen unspezifischer
Reaktion, anamnestischen Erregerkontakt oder aktiver Borreliose unterscheiden
zu können,
c.
bei fehlender
klinischer Symptomatik, aber eindeutigem anamnestischen Hinweis (hat bei der
Häufigkeit von Zeckenstichen beim Hund in der Veterinärmedizin eher keine
Bedeutung),
d.
zur Abklärung, ob noch
eine aktive chronische Infektion nach vorangegangener Antibiose vorliegt.
(Neuere Untersuchungen beim Hund (Straubinger et al. 1997) geben Anlaß
zur Diskussion, ob durch antibiotische Behandlung überhaupt eine Elimination
des Erregers erreicht werden kann und ob sich die Borrelien nicht vielleicht in
schlecht vaskularisierten Geweben, z.B. Gelenken, oder intrazellulär
"verstecken" um so über Jahre oder evlt. lebenslang im Organismus zu
persistieren. Sie konnten zwar die Arthritiden erfolgreich therapieren, hatten
auch nach 30-tägiger Antibiotikabehandlung auch eine deutliche Reduzierung der
Antikörpertiter, teilweise bis unter die Nachweisgrenze, aber 6 Monate nach der
Behandlung waren wieder Antikörper gegen B. burgdorferi nachweisbar.)
Übertragen auf die Veterinärmedizin scheint der Einsatz des
Immunoblots vor allem bei grenzwertigen bzw. niederen Titern sinnvoll zu sein,
um unspezifische Reaktionen ausschließen zu können. Auch bei klarem klinischen
Bild (nach Abklärung der in Frage kommenden Differentilaldiagnosen) und
negativer Serologie wäre ein Immunoblot sinnvoll.
Zusammenfassung
Die oben gemachten Ausführungen zeigen, daß die
Borrelien-Diagnostik ein schwieriges Gebiet ist. Wenn man jetzt den
Durchseuchungsgrad der Zecken in Deutschland (Vermutungen gehen von 20% und
mehr der Zeckenpopulation aus) und der Häufigkeit mit der Hunde jedes Jahr von
Zecken gestochen werden, betrachtet, versteht man, wie schwierig die Diagnostik
der Borreliose beim Hund ist. Unbestritten ist, daß es eine durch B.
burgdorferi verursachte Erkrankung gibt. Allerdings muß man darauf hinweisen,
daß es auch Berichte aus den USA gibt (Levy und Magnarelli 1992), nach
denen von ~50% seropositiver Hunde in einem endemischen Gebiet, lediglich 5%
klinische Symptome wie Lahmheit, Gelenkschwellung und Apathie zeigten. Hinzu
kam, daß innerhalb des Beobachtungszeitraumes (20 Monate) ebensoviele
seronegative Hunde vergleichbare Symptome entwickelten.
Jacobsen et al. (1996)
konnten feststellen, daß alle Hunde mit einer für die Borreliose typischen
Symptomatik bereits einen deutlichen IgG-Titer hatten. Deshalb erscheint
folgende Vorgehensweise bei einem Verdacht auf Borreliose beim Hund sinnvoll:
Verdächtiges klinisches Bild (z.B. wechselnde Lahmheit)
unter weitgehendem Ausschluß möglicher Differentialdiagnosen und evtl.
anamnestischem Hinweis auf massiven Zeckenbefall (vor ca. 2 Monaten)
¯
IgG-Bestimmung im IFT (oder EIA)
¯
bei grenzwertigem IgG-Titer zwischen 1:40 und 1:80,
Kontrollle mittels Immunoblot
¯
bei Titern über 1:80 oder grenzwertigem IgG-Titer und
deutlich positivem Immunoblot
¯
Antibiotika-Therapie mit entsprechender klinischer
Erfolgskontrolle
Trotz dieser Vorgehensweise kann die Serologie nur ein
Hilfsmittel zur Diagnose sein. Letztendlich bleibt die Entscheidung einer
Therapie beim behandelnden Tierarzt/ärztin, der das klinische Bild und die
entsprechende Anamnese kennt. Vorsichtig interpretiert werden müssen auch
Symptome wie ZNS-Störungen, Herzblock oder Nierenschädigungen. Es liegen bisher
meiner Meinung nach zu wenig Daten bezüglich dieser Krankheitsbilder im
Zusammenhang mit einer Borreliose beim Hund vor. Auch die Frage, ob man bei
serologisch positivem Befund ohne klinische Symptome eine Antibiose empfehlen
kann, muß der/die behandelnde Tierarzt/ärztin nach o.g. Ausführungen selbst
entscheiden. Bei der Vielzahl serologisch positiver Hunde ohne klinische
Symptomatik und dem deutlichen Hinweis, daß B. burgdorferi evtl. trotz
Antibiotika-Therapie persistieren kann (Straubinger et al., 1997) halte
ich persönlich eine grundsätzliche Antibiotika-Therapie nicht für sinnvoll.
Die Borreliose, nicht nur beim Hund, wird auch in näherer
Zukunft noch genügend Anlaß zur Diskussion geben. Es bleibt zu hoffen, daß
kommende Untersuchungen spezifischer auf die Bedeutung von Borrelia burgdorferi
sensu lato bei den einzelnen Tierarten, vor allem in Europa, eingehen.
Literatur
- Appel, M.J.G.; S.
Allan; R.H. Jacobson; T.L. Lauderdale; Y.F. Chang; S.J. Shin; J.W.
Thomford, R.J. Todhunter and B.A. Summers (1993)
"Experimental Lyme Disease in Dogs Produces Arthritis and Persistent
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JID, 167: 651-664
- Blenk, H. (1993)
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mta, 8(6): 575-580
- Burmester, G.-R.; S.
Priem und A. Krause (1997)
"Erregerpersistenz von B. burgdorferi:
Direktnachweismethoden"
2. Frankfurter-Gießener Borrelien-Workshop , Tagungsbericht S. 3
- Grauer, G.F.; E.C.
Burgess; A.J. Cooley and J.H. Hagee (1988)
"Renal lessions associated with Borrelia burgdorferi infection
in a dog"
JAVMA, 193: 237-239
- Jacobson, R.H.; Y.-F.
Chang and S.J. Shin (1996)
"Lyme Disease: Laboratory Diagnosis of Infected and Vaccinated
Symptomatic Dogs"
Seminars in Veterinary Medicine and Surgery (Small Animal), 11(3):
172-182
- Levy, A. and A.
Magnarelli (1992)
"Relationship between development of antibodies to Borrelia
burgdorferi in dogs and the subsequent development of limb/joint
borreliosis"
JAVMA, 200: 344-347
- Levy, A. and P.H.
Duray (1988)
"Complete Heart Block in a Dog Seropositive for Borrelia
burgdorferi"
J. Vet. Intern. Med., 2: 138-144
- straubinger, R.K.;
B.A. Summers; Y.-F. Chang and M.J.G. Appel (1997)
"Persistence of Borrelia burgdorferi in Experimentally
Infected Dogs after Antibiotic Treatment"
J. Clin. Microbiol., 35(1): 111-116
- Wasmoen, T.L.; R.W.
Sebring; B.M. Blumer; L.G. Chavez; H.-J. Chu and w.M. Acree (1992)
"Examination of Koch`s postulates for Borrelia burgdorferi as
the causative agent of limb/joint dysfunction in dogs with
borreliosis"
JAVMA, 201(3): 412-418
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