Dolly wurde mitten auf einer Landstraße in der Nähe von
Bremen aufgegriffen. Auf verschlungenen Wegen kam sie zu uns, auf die Schnelle
fand sich kein Platz für sie. Ihre Herkunft konnten wir klären. Dollys altes
Frauchen war verstorben. Der Rest der Familie konnte augenscheinlich mit der
alten, kranken Hundedame nichts anfangen. Sie landete in einem Zwinger, zusammen
mit mindestens einem großen Hund (Rottweiler?). Die Kleine, die ihr bisheriges
Leben als Einzelhündin zugebracht hatte, quetschte sich durch irgendein
Zwingergitter und flüchtete, wohl bis zu eben dieser Landstraße... Keiner wollte
sie haben, die Familie schon garnicht. Einen Platz konnte man auf die Schnelle
auch nicht auftreiben. Seit der Mittagszeit ist sie nun bei uns.
Am
Nachmittag war ich mit ihr beim Arzt. Ausgeprägte Mammatumore beidseitig,
Verwachsungen und Entzündungen (einschl. Hefepilzen) an und in den Ohren (wohl
dadurch sehr schlechtes Hörvermögen), Herzschwächen, schlechter Zahnzustand,
schlechter Pflegezustand. Röntgenologische Untersuchung mit weniger schlimmen
Befunden, als befürchtet. Sehr starke Sehschwächen mit stark eingetrübten Augen.
Vorerst: Herzmedikamente, sowie Behandlung der akuten Ohrenbeschwerden. Alles
Andere wird später entschieden, erst mal ist Aufpäppeln dran. Dolly ist
schätzungsweise 11 - 13 Jahre alt.
Hier ein erstes Bild, während
unserer Früh-Abend-Tour:
Jetzt ist erst einmal Integration in die Rentnerband
angesagt. Sie war Einzelhund, augenscheinlich sehr menschen- vor allem
frauenbezogen. Dies fordert uns alle. Medikamente und Abendmahlzeit hat sie mit
großem Appetit zu sich genommen, ebenso den "Nachtisch". Wir werden es schaffen
(wir haben es immer geschafft!). Es hat sich so gefügt, daß Dolly zu uns kommen sollte. Dann soll es so
sein.
09.03.2010
Für die kleine Dolly ist es eine recht langwierige Eingewöhnung in der neuen
Umgebung mit den neuen Hundefreunden und Menschen. Sie ist zweifellos schwer
traumatisiert, verteidigte ihre engste Umgebung, z.B. ihren Korb, mit Knurren,
Zähnefletschen und Schnappen. Im Verlauf der letzten Tage gelang eine langsame
Annäherung, die dadurch erschwert wird, daß Dolly nur eingeschränkt sehen und
kaum hören kann.
Robbie ist wie immer von einer goldigen, unzerstörbaren
Freundlichkeit, obwohl Dolly mit übertriebenen Schnapp-Zickereinen vor einigen
Tagen versuchte, eine abschreckende Distanz zu schaffen. Aber der unbeirrbare
Robbie schaffte es, mittlerweile eine recht innige Nähe
herzustellen.
Lisa ist der kleinen Dolly recht zugetan, verteidigt jedoch
ihre eigenen Ressourcen mittels leisen, aber deutlichen Warnungen, dies tat sie
jedoch schon immer. Auch hier hat sich mittlerweile eine sehr positive Nähe
eingestellt. Insgesamt funktioniert die wunderbare Selbstregulierung zwischen
den Hundesenioren auch diesmal, zwar etwas gemächlich, aber im Ergebnis
perfekt.
Anfangs war es für mich kaum möglich, sich der kleinen Dolly in
ihrem Korb zu nähern, um ihr z.B. ihr Geschirr anzulegen, oder ihre Ohren zu
behandeln, ohne Gefahr zu laufen, meine Finger zu verlieren... Dies ist
inzwischen einer weit fortgeschrittenen Vertrautheit gewichen. Heute geschah es
zum ersten Mal, daß Dolly schwungvoll, als wir von unserer Vormittagstour
zurückkamen, durch die Terrassentür stürmte, quer durchs Haus lief, um
nachzuschauen, wo Hannelore denn sei, und sie dann mit sichtlicher Zufriedenheit
im Computerzimmer vorfand. Genau so hielt es unser kleiner Rocky auch immer,
wenn wir nach Hause kamen: Erst mal schauen, wo seine Menschen sind, und nach
Feststellung der Vollzähligkeit so richtig zufrieden sein...
14.03.2010
Einige Runden beim Tierarzt liegen
hinter uns. Es gab nichts neues Negatives, und dies ist positiv. Mal sehen, wie die
weitere Entwicklung läuft. Dem jetzigen Futter ist sie jedenfalls sehr zugetan.
Ihre Verdauung ist sehr regelmäßig und intakt. Sie wiegt gerade mal 3,8kg, und
kann unbedingt etwas Muskelmasse gebrauchen. Dafür können wir sorgen.
Zusammenfassend können wir zufrieden sein, alles entwickelt sich
eigentlich recht gut.
16.04.2010
Für das kleine Hundemädchen war das Leben im April noch unbeschwert. Sie fand
immer besser ins Team der Hundesenioren, und fasste auch täglich mehr Vertrauen
zu den Menschen in ihrer Umgebung. Dolly gehört zu den Hündinnen, deren
Integration in unsere Familie, unser Rudel, recht lange dauerte, und recht viel
Geduld und Nachsicht erforderte., Kaum auszudenken, welches Vorleben und welche
Erfahrungen zu dieser anfangs so um sich schnappenden, abwehrenden
Verschlossenheit geführt hatten. Davon war in diesem April kaum mehr etwas zu
merken.
Schon oft mussten wir erleben, daß gerade bei Oldies, die nach schlimmen
Erfahrungen zu uns kamen, zunächst ein schneller Regenerationsprozess einsetzte,
dann eine mehr oder weniger kurze, harmonische und glückliche Zeit der
Unbeschwertheit das Leben erhellte, jedoch irgendwann Erkrankungen auftraten -
als wären dies Vermächtnisse aus den alten Zeiten, die erst dann hervorbrachen
(oder hervorbrechen konnten), wenn Oma oder Opa endlich in einem besseren Leben
gelandet waren, und irgendwie die Vergangenheit loslassen konnten. So erging es
auch Dolly. Mitte April hatte eine routinemäßige große Blutuntersuchung kaum
Auffälligkeiten aufgezeigt, nur eine verminderte Schilddrüsenfunktion
angedeutet. Damals wollten wir die weitere körperliche Regeneration von Dolly
abwarten, um nach angemessener Zeit, wenn die Schilddrüsenwerte sich nicht
verbessert hätten, dort medikamentös nachzusteuern. Am Sonntag, dem 09.05.2010
jedoch wurde alles ganz anders. Dolly ging es plötzlich sehr schlecht, hatte
keinen Appetit mehr, vieles an ihrem schlechten Zustand machte auf mich den
Eindruck von Vergiftungserscheinungen. Am Montag fuhr ich sofort mit ihr zum
Tierarzt, der ein akutes Nierenversagen feststellte. Trotz umfangreicher
diagnostischer Maßnahmen (Sonographien, Röntgen usw.) konnte kein handfester
Grund für diese plötzliche Krise gefunden werden. Blutwäschen und Infusionen
erhielten Dollys Leben, und es begann ein langer Kampf mit vielen
Verabreichungen diverser homöopatischer Medikamente - zunächst subkutan, später
oral verabreicht, und der ständigen Verabreichung von Kleinstmengen Wasser und
einer speziellen Nierendiät, um ihren rasanten körperlichen Verfall irgendwie
aufzuhalten. Und ganz langsam waren Fortschritte bei Dolly zu erkennen, und sie
fand irgendwie ins Leben zurück.
Es folgte ein ganz langwieriger Erholungsprozess, den Dolly nur mit ständigen
MCP-Gaben ertrug, um die ständige kaum erträgliche Übelkeit zu bekämpfen. Am
20.05.2010 fing Dolly endlich an, sich wieder selbst zu versorgen, und kleinste
Mengen selbst zu fressen. Ihre Blutwerte verbesserten sich allerdings nur
wenig. Ein Pulver namens Ipakitine war das segensreiche Mittel, das mir der Tierarzt
empfahl, und Dolly wohl noch längere Zeit helfen wird. Dieses Pulver soll
bewirken, daß ein erheblicher Teil der Giftstoffe, der normalerweise von den
Nieren abgebaut wird, unterstützend bereits im Dickdarmbereich kompensiert wird.
Wie auch immer, es scheint bei Dolly zu helfen. Eine chronische
Niereninsuffizienz wird sie wohl immer behalten.
19.06.2010
Das Wetter wurde wärmer, Dolly erlangte ihre Fröhlichkeit zurück, und ich hatte
in diesen Tagen die große Hoffnung, daß nunmehr die Krisen von Dolly endlich
vorüber seien. Da die Prognosen der nächsten beiden Wochen warmes Wetter
ankündigten, planten wir für Dolly eine "Radikal-Frisur", das alte Zeug musste
unbedingt von ihr 'runter. Frühere Mangelerscheinungen hatten ihr Fell splissig
und spröde werden lassen. Am 21.06.2010 sollte es passieren. Mir war klar, daß mit der neuen Frisur die
Abmagerung von Dolly deutlich erkennbar sein würde, leider brachte die
Fell-Entfernung auf ihrer Bauchseite aber ein ganz anderes Übel ans
"Tageslicht". Einer ihrer Saugleisten-Tumore hatte sich geöffnet, und war im
Begriff, zu zerfallen. Der Tierarzt riet zu diesem Zeitpunkt von einer Operation
ab, Dolly würde mit ihren schlechten Nierenfunktionen eine OP aller Voraussicht
nicht überstehen. Um Zeit zu gewinnen, blieb nur eine Behandlung mit Antibiotika
und Salben (Leukose, Vulnoplant usw.), außerdem musste Dolly ab sofort ständig
einen Body tragen, um ihre ständigen Versuche, an dem sich bildenden Krater zu
lecken und zu beißen, möglichst zu bremsen.
Natürlich ist das Zusammentreffen der Notwendigkeit, ständig ein solches
Kleidungsstück zu tragen, und der gleichzeitig vorherrschenden Hitzewelle ein
mehr als doofer Zufall... Dolly hat jedoch eine Engelsgeduld, mit der sie
klaglos diese modischen Accessoires trägt. Dollys Seniorenfreunde kümmern sich rührend und mit viel Verständnis um die
kleine Patientin. Der Tierarzt begann, das eitrige Innenleben des Kraters, der
sich aus dem Tumor gebildet hatte, mit Wasserstoff-Superoxid zu verätzen, auch
diese Prozeduren erträgt Dolly mit großer Geduld. Dies alles sind natürlich
Dinge, die eher einem Zeitgewinn dienen, aber keine Heilung bewirken
können.
Eine optische "Verbesserung" dieser Wunde kann ich nicht erkennen, aber
wenigstens auch keine Verschlechterung. Manchmal meine ich während der
Behandlungen und Abdeckungen dieses Bereichs eine vermehrte
Schmerzempfindlichkeit bei Dolly festzustellen. Dies wäre ein schlechtes
Zeichen. Am Ende eines solchen Prozesses würde der Gang über die Regenbogenbrücke
stehen. Man kann ein Mitgeschöpf nicht lange und unnötig leiden lassen. So weit
sind wir jedoch noch nicht. Trotz allem Übels hat Dollymaus noch viel Lust und
viel Spaß am Leben.
26.07.2010
Endlich
hat sich Dolly nach unserem Eindruck soweit erholt,
daß sie eine Operation überstehen könnte. Sie
befindet sich schon in der präoperativen Fastenphase. Während der letzten Tage
haben wir uns um eigene Ruhe bemüht, und alles für eine hoffentlich konstruktive
Regeneration von Dolly getan - aber was kann man eigentlich tun? Ich kann kaum
meine Sorgen, die ich angesichts des bevorstehenden Eingriffs habe, verdrängen,
muß aber immer versuchen, für Dolly der unbeschwerte und gutgelaunte Partner zu
sein...
27.07.2010
Ganz kurz
und knapp: Um 09:00 Uhr kam ich mit Dolly bei der Tierarztpraxis an, um etwa
09:15 Uhr zeigte die Narkose erste Wirkung. Später erfuhr ich, daß Maria um
09:21 Uhr mit Dolly eine Verbindung hatte, aus der Narkose heraus signalisierte
Dolly Entspannung, und daß sie nun keine Angst mehr hätte. Die OP verlief ohne
besondere Vorkommnisse, es wurde aber mehr entfernt, als ursprünglich geplant
war. Mittags war sie aus der Narkose wieder aufgetaucht, aber recht schwach und
taumelig. Sie trank jedoch recht schnell etwas. Gegen 17:30 Uhr war sie soweit,
daß ich sie wieder nach Hause fahren konnte. Das folgende Bild entstand im
Auto unmittelbar vor der Tierarztpraxis. Dolly ist nach der Operation in eine Art
Ganzkörperverband eingepackt. Es ist ratsam, trotzdem einen Body über diesen
Verband zu ziehen, was ich im Auto sofort tat. Zuhause angelangt, trank Dolly
ein paar Schlucke, ließ sich von Hannelore hätscheln, machte Pipi, und nun
schläft sie. Ich habe ein recht gutes Gefühl, ich glaube, daß Dolly dies alles
schaffen wird.
Dolly war recht ruhig, hat viel geschlafen. Sie hat auch Appetit, schon gestern
abend stellte sie sich in der Küche auf, und verlangte deutlich nach ihrer
Mahlzeit. Sie gab auch nachts nach unserer Nacht-Runde nicht eher Ruhe, bis ich das
gewohnte "Tour-Abschluß-Leckerli" herausrückte...
Auch am nächsten Tag war sie recht ruhig, man merkte ihr an, daß sie sehr
erholungsbedürftig war. Unsere Vormittagstour war nicht sehr lang, Dolly kam
gern mit, verrichtete all ihre "Geschäfte", wollte danach aber (höflich, aber
bestimmt) wieder zum Auto zurück. Sie legte sich gern ins Auto, ich drehte mit
Lisa und Robbie noch eine Extrarunde. Dolly scheint recht genau zu wissen, was
für sie gut ist, und was nicht.
Beim Tierarzt wurde Dollys Ganzkörperverklebung gelöst und entfernt. Die
Wundverheilung verläuft augenscheinlich ganz hervorragend. Ein neuer Verband
blieb ihr erspart, aber natürlich herrscht weiterhin "Bodypflicht". Nächster
TA-Termin ist am Freitag. Am Abend war bei Dolly nach einem recht aufregenden
Tag eine Pause angesagt:
30.07.2010
Da brauchte uns allen anlässlich des Tierarztbesuchs am späten Nachmittag nicht
bange zu werden. Alles ist prima, Dolly bekam nur eine weitere
endzündungshemmende Spritze, die OP-Narbe verheilt sehr gut. Wenn in den
nächsten Tagen nichts unvorhergesehenes passiert, brauchen wir erst Ende
nächster Woche wieder zum Tierarzt: Zum Fädenziehen. Es verläuft alles viel
besser, als erwartet.
Und so konnten wir unbeschwert nach dem Besuch beim Onkel Doktor unsere
Abendtour absolvieren. Bei schon sehr tiefstehender Sonne kann man als kleine
Hundedame schon mal an den Wiesenblumen schnüffeln...
10.08.2010
Die Wundverheilung verlief leider
doch nicht so reibungslos, wie wir uns erhofft hatten.
Nach dem Ziehen der Fäden zeigten sich Fäden-Unverträglichkeiten.
Danach, am Samstag und am Sonntag beruhigte sich der OP-Schnitt tatsächlich,
trotzdem zeigte sich im Gesamtbefinden von Dolly keine Verbesserung oder
Entspannung. Am Samstag war ich sehr besorgt, weil sie sehr antriebslos und
schlapp wirkte, keinerlei Appetit hatte, und mir ein eitrig aussehender Ausfluss
aus beiden Augenwinkeln auffiel. Sie setzte an diesem Tag kaum Kot ab, und diese
Minimenge sah pechschwarz aus. Dazu gesellte sich langsam ein spezifisch kranker
Geruch, der nicht nur Dollys Atem, sondern ihren ganzen Körper betraf. Kurz:
Ihre Nieren versagten wieder.
Hier möchte ich einen kleinen Absatz einfügen. Das gesundheitliche Auf und Ab
von Dolly zieht sich schon über eine lange Zeit hin. Ich neige nicht zur
Mutlosigkeit, aber dieses ständige Wechselbad zwischen den Hoffnungen, daß nun
endlich alles besser wird, und dem Gewahrwerden der nächsten kleinen
Hiobsbotschaften und Katastrophen ist manchmal zermürbend, und weckt mitunter
Zweifel, ob dies alles so richtig ist, und ob man der kleinen Dollymaus dies
alles so zumuten kann.
Eigentlich konnte das neue Nierenversagen nicht mit einer Fehl-Ernährung von
Dolly oder mit der Aufnahme irgendeines Giftes o.ä. zu tun haben. Also galt es,
mit vermehrtem Medikamenteneinsatz und rigoroser Rund-um-die-Uhr-Pflege
gegenzuwirken. Fatal ist hierbei, daß bei Dolly jedes Nierenproblem einen
geradezu rasanten körperlichen Verfall nach sich zieht. Und bei einem
Körpergewicht von weniger als vier Kilogramm hat die kleine Dollymaus kaum etwas
zuzusetzen. Immerhin verbesserte sich nach tagelanger Nahrungszufuhr in vielen
Kleinstmengen per Spritze ihr Zustand ganz langsam, aber spürbar.
Nun ist bei Dolly wieder eine Phase der ganz vorsichtigen
Verbesserung angesagt. Ich wünsche ihr zum ich-weiß-nicht-wievielten Male, daß
nun endlich die vielen Krisen durchlitten sind, und daß nun ein unbeschwerter
und leidensfreier Lebensabschnitt folgt. Dies hat die kleine, kratzbürstige,
tapfere Dolly so sehr verdient...
04.10.2010
Die folgende Zeit war von kleinen, aber stetigen Verbesserungen
des Befindens von Dolly bestimmt. Nun geht es ihr schon eine Reihe von Wochen richtig prima. Die Narbe sieht nur
noch gut aus, so langsam wächst das Fell auch wieder nach. Dolly hat sich zu
einer lebhaften, Menschen sehr, sehr liebenden kleinen Hündin entwickelt. Der
beste Beweis, dass es ihr körperlich wirklich besser geht. Sie frisst gut, sie
ist an allem interessiert und macht das Rudelleben total mit. Zwischen Lisa und
ihr herrscht zwar nicht die große Liebe, aber sie tolerieren sich und es gibt
kaum mal ein wenig Geknurre. Mit Robbie versteht sich sowieso jeder Hund, da
macht Dollymaus natürlich keine Ausnahme. Es ist so wunderbar, diese "normale"
Dolly zu erleben und zu sehen, was aus diesem anfangs mehr als kratzbürstigen
und dann eigentlich nur noch kranken Hundemädchen geworden ist. Sie genießt ihr
Leben und wir genießen das Leben mit ihr.
Unsere Dolly ist über die Regenbogenbrücke
gegangen
Der Korb im
Wohnzimmer ist weggeräumt, ebenso die Schlafhöhle in Peter's Zimmer, wie auch
die Kuscheldecken. Eingepackt sind auch ihr Geschirr und die Leine. Ihre
Medikamente sind aus der Sortierbox entfernt. Die TASSO-Abmeldung ist ebenso
erledigt. Die für morgen erwartete Diätfutter-Lieferung wird unnütz sein. Ihr
Fressnapf steht nicht mehr am gewohnten Platz. Wenn sich nur die Gedanken und
Erinnerungen ähnlich beiseiteräumen liessen...
Nun ist Dolly also unter der (noch gefrorenen) Erde, der kleine
Seniorenhunde-Friedhof wird immer mehr zum Gräberfeld. Eigentlich wollte Peter
Dolly heimholen, und nicht begraben. Am späten Vormittag fuhr Peter sehr
hoffnungsfroh los, um Dolly aus der Obhut der Tierärztin zurück in unsere Obhut
zu nehmen.
Am vergangenen Samstag war auffällig, daß Dolly ihre
Abendmahlzeit nur zum Teil fraß, ganz gegen ihre Gewohnheiten der letzten
Monate. Am Sonntag stellten sich eine zunehmende Zurückgenommenheit und eine
immer stärker werdende Atemnot ein. Ihr Zustand verschlechterte sich zusehens,
am frühen Abend des Sonntags fuhr Peter mit Dolly in die City zur
Tierärztin.
Die Röntgenaufnahmen zeigten total "dichte" Lungenflügel,
zwischen denen sich das kaum erkennbare Herz stark vergrößert abzeichnete. Es
wurde alles in die Wege geleitet: Sedierung zur Linderung der Erstickungsangst,
entschleimende und entwässernde Medikamente, Antibiotika, Kreislauf- und
Herzunterstützung, Dolly blieb in der Praxis in einer Sauerstoffbox mit hoher
Anreicherung, ständig überwacht. Die Ärztin schätzte ihre Überlebenschancen
während dieser Nacht als relativ gering ein.
Am Morgen des Montags hatten
sich ihre Werte jedoch verbessert. Peter fuhr hin, traf Dolly recht mobil,
lebhaft und hoffnungsfroh an, brachte ihr gewohntes Diätfutter und spezielle
Nierenmedikamente in die Praxis. Während des Montags blieb ihr Zustand
gleichbleibend. Für den Dienstag war am späten Vormittag vereinbart, daß Peter
Dolly zunächst abhole. Vorher wurden noch Untersuchungen angestellt; neue
Röntgenaufnahmen zeigten eine erhebliche Verbesserung des Zustands ihrer Lunge.
Als Peter dort ankam, wirkte Dolly sehr zurückgenommen und reaktionsarm, die
Tierärztin führte dies auf die vorhergegangenen Medikamentenvergaben
zurück.
Als Peter die Praxis verlassen hatte, Dolly in den Armen, um zum
etwas entfernt parkenden Auto zu laufen, spürte er, wie das Leben aus Dolly
entwich. Peter machte sofort kehrt. Die Tierärztin versuchte alles, um Dolly zu
helfen, sie legte einen Lungentubus, beatmete künstlich, Herzmassagen, Atropin,
Adrenalin... Dolly fand nicht mehr zurück zu diesem Dasein, sie hatte sich
bereits auf den Weg gemacht in eine andere Welt.
Wir wissen, daß sie noch
genau mitbekam, daß sie nach Hause geholt wurde. Wir wissen auch, daß sie vorher
unter dem Aufenthalt in der Tierarztpraxis, fast immer in der Sauerstoffbox,
sehr litt. Ohne den Sauerstoff hätte sie den Abend des Sonntags nicht überlebt,
wäre qualvoll erstickt. Peter's Besuch am Montag, die Eindrücke von ihr, die
Berichte der Tierärztin - dies alles stimmte uns sehr optimistisch, daß Dolly
diese schwere Krise überstehen würde. Umso niederschmetternder ist ihr für uns
so unerwarteter Tod. Dolly brauchte wohl nur noch die Gewissheit, heimzukommen,
um von diesem Leben loslassen zu können.
Die hier eingefügten Bilder von Dolly stammen von der Fotoserie vom Sonntag, und
gehören zu den letzten Bildern, die es von Dollymaus gibt.
Am 3. März
2010 kam Dolly im Alter von ca. 13 Jahren, schwer traumatisiert und sehr krank,
zu uns. Aber ihr Lebenswille kam zurück und wir führten gemeinsam den Kampf
gegen das Nierenversagen und die Tumore. Dolly entwickelte sich zu einer
fröhlichen, aufgeschlossenen, liebenswürdigen und verschmusten kleinen Hündin,
die ihr neues Leben offensichtlich sehr genossen hat. Gestern, am 04. Januar
2011, verließ Dollymaus uns und ging über die Regenbogenbrücke.
Lucky, Lou,
Nadia, Frici, Max, Lucia, Rocky... und nun Dolly; die Abschiede werden immer
schwerer............